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Der Hitzesommer 2003 und die Denkweise der Grünen

30. September 2003 

Nationalratswahlen 2003 und die Denkweise der Grünen Partei Schweiz
Ein Kommentar von Markus A. Brotschi

Es war einer der kürzesten Mailwechsel, den ich je pflegte. Meine erste Mail war voller Fakten und Fragen, Hinweisen und Denkanstössen auf Grund eines Zeitungsartikels - welche dann leider mehr oder weniger oberflächlich beantwortet wurde. Natürlich wie man es sich gewohnt ist: ohne wirklich detaillierte Antworten zu den angesprochenen Themen zu erhalten. Doch ich liess nicht locker: Frau Genner, Co-Präsidentin der Grünen Partei Schweiz muss doch etwas mehr auf dem Dampfer haben, dachte ich für mich. Weit gefehlt! Mein Nachhacken wurde mit eisernem Schweigen beantwortet. Nun gut, es kann sein, dass Frau Genner ja wirklich derart mit Wahlanlässen eingedeckt ist, dass sie nicht noch um 23 Uhr abends irgend eine unbequeme Mail von mir beantworten mochte. Das verstehe ich natürlich, zeugt aber nicht eben von der immer propagierten Bürgernähe der Grünen. Oder gingen etwa die Argumente aus?

So weit so gut. Um was geht es?  
August 2003 im Fernsehen DRS, die Grünen haben den Hitzesommer 2003 entdeckt und schlachten diesen gnadenlos für Wahlzwecke aus. "Ein eindeutiges Zeichen für die Klimaerwärmung sei das", behaupteten die Vertreter der Grünen vor laufender Kamera. Und sie wurden nicht mal rot dabei. Doch die Show geht weiter: in der Solothurner Tagblatt vom 6. September präsentieren sich die Grünen gar als Retter der Welt: "Wir wollen Katastrophen verhindern" lautete Die Überschrift in grossen Lettern. Da musste ich mich fragen, wie das denn nun gemeint ist: die Grünen stellen sich fortan in kommenden Strengwintern als lebende Lawinenverbauungen in die Berghänge? Oder decken Sie das ganze Tessin mit Plastik ab, wenn wieder mal ein böses Genuatief unablässig Wolken zu den Südalpen schickt und dadurch die gefürchteten Murenabgänge ausgelöst werden. Oder muss ich mir das so vorstellen, dass die Grünen allesamt beim nächsten Lothar kräftig nach Westen blasen, damit die Winde nicht wieder einen so grossen Schaden anrichten?

Erwärmung?  Ja, aber
Der geneigte Leser erkennt, dass ich sehr sarkastisch schreibe. Und diejenigen, welche mich kennen, werden schmunzeln und auf den Stockzähnen lachen. Doch das Thema ist eigentlich gar nicht zum Lachen. Und an dieser Stelle möchte ich auch gleich klarstellen, dass ich nicht einer der verbissenen Klimaerwärmungs-Ignoranten bin. Ganz im Gegenteil. Dass eine Erwärmung stattfindet, das bezweifelt heute glaube ich keiner mehr. Nur die Ursachen, darüber scheiden sich heute die Geister. Und es werden immer mehr Stimmen laut, welche Forschungsergebnisse in Frage stellen. Und ich wage gar zu behaupten, dass der "menschengemachte Anteil" an der Klimaerwärmung verschwindend klein ist. Eine natürliche Klimaerwärmung? Grauenhaft, nicht ausdenkbar! Die Grünen könnten sich selber abschaffen... 

Die Grünen entdecken die Wunderlampe - der Hitzesommer wird's richten
Möglicherweise haben die Grünen diesen Sommer ihre internen Wahlvorbereitungssitzungen in der Badi abgehalten. Die Sonne muss offenbar bei einigen zu Hitzestaus geführt haben. Nur so ist es zu erklären, dass der Hitzesommer 2003 bei der Grünen Partei fortan als eindeutiges Zeichen für die Klimaerwärmung gilt. Es gibt nichts populistischeres und unwissenschaftlicheres, als solche Pseudozusammenhänge für die Wahlen zu missbrauchen. Ja klar war er heiss, der Sommer 2003 und er war trocken und er war aussergewöhnlich. Doch der Sommer 2003 war eine Anomalie, wie sie ungefähr alle 25 Jahre vorkommt. Oder anders gesagt: eine geografisch begrenzte Laune der Natur. Eine Wetterlage, die sich immer wieder regeneriert hat - genau so, wie sich vor 3 Jahren die Wetterlagen auch immer regeneriert haben - nur waren es damals die Tiefdruckgebiete, welche uns in Mitteleuropa einen kühlen und regnerischen Sommer bescherten. Erinnern Sie sich?

Hintergründe legen Wissensstand offen
Kennt man die Zusammenhänge der Meteorologie auch nur ansatzweise und befasst man sich nur rudimentär mit den kurzfristigen und langfristigen Singularitäten, dann kann man über die Wahlslogans der Grünen nur herzlich lachen. Dass ein Hitzesommer bei den Grünen für die Klimaerwärmung herhalten muss zeigt höchstens, dass selbst von der Parteispitze nachgeplappert wird, was das Zeug hält. Ein zwei Bücher zum Thema "Einführung in die Meteorologie" oder ein Buch über die Klimaperioden würden den Wissenstand der Grünen sicher erheblich verbessern. Die Komplexität des Themas würde vielleicht plötzlich klarer. Und vielleicht würde mit dem Lesen bei den Grünen auch die uralte Erkenntnis reifen "Ich weiss, dass ich nicht weiss". Die Zusammenhänge in der Klimaveränderung und zwischen den Vorgängen innerhalb der Atmosphäre weisen nämlich einen derart komplexen Zusammenhangsgrad auf, dass selbst heute nicht restlos geklärt ist, wie sich nun die weitere Entwicklung des Klimas präsentieren wird.

Das Regelsystem - Nachhilfestunden in Trivialphysik
Selbst namhafte Institute wie das deutsche MaxPlanck Institut beschäftigen offenbar etwas vorschnelle grüne Wissenschafter. Mojib Latif, mit dem ich ebenfalls Mailverkehr pflegte, ist ein Verfechter der Theorie "Mehr Wärme, mehr Feuchtigkeit in der Luft, mehr Regen, mehr Unwetter. Offenbar hat Herr Latif so ganz nebenbei einen ganz gewichtigen Grund unter den Teppich gekehrt, der seine Theorie ins Wanken bringt. Die Wolken. Mehr Feuchtigkeit bedeutet auch mehr Wolken! Diese wiederum schirmen die Erdoberfläche vor weiterer Sonneneinstrahlung ab - sie wird nicht mehr weiter erwärmt. Ein Regelsystem ist geboren. Ingenieurstudium, erstes Semester. Spricht man den sonst so medienfreundliche Latif dann auf solch einfachste Trivial-Zusammenhänge an, versiegt auch dort der Mailverkehr.

Und die Versicherungen spielen mit
Wen wundert es da, dass die Versicherungen auch gleich auf die "mehr Unwetter-Theorie" aufspringen? Niemanden, denn diese ist die Legitimation zu höheren Prämien und fetteren Gewinnen. Ich kenne keine einzige Studie, welche eindeutig belegt, dass es wirklich mehr Unwetter gibt. Das einzige, das belegt ist: die Schadenssummen nehmen zu. Doch daraus zu schliessen, dass es mehr Unwetter geben muss, ist fatal und unwissenschaftlich dazu. Dass jedoch Immer mehr und immer grössere Hotels in die Alpen gepflanzt werden und erst noch direkt in die Lawinenhänge, davon spricht niemand. Dass ganze Stadtteile in früher hochwassergefährdete Flussebenen gebaut sind, das wissen höchstens noch die Urgrossväter. Und nach 100 Jahren kommt es wieder - das Hochwasser. Versenkt ganze Stadteile - und wir wundern uns? 

Meinungsfreiheit
In unserem Lande herrscht Meinungsfreiheit. So darf also jeder glauben und verkünden was er will und was er für Richtig hält. Das darf natürlich auch die Grüne Partei. Von einer Partei, die sich das Thema Umwelt auf die Fahne schreibt, hätte ich allerdings etwas mehr Differenziertheit und Recherche erhofft, bevor in populistischer Weise eine meteorologische Anomalie als Werbeträger für die Wahlen herhalten muss.  

Dies meint Ihr

Markus A. Brotschi
dipl. Ingenieur HTL/STV

Selbstverständlich bin ich kein Einwegkommunikator und publiziere hier gerne Ihre Meinung - auch wenn diese gegensätzlicher Ansicht ist. Vielleicht erinnern sich ja sogar Frau Genner und Herr Latif plötzlich wieder, was eine Tastatur ist  :-)  Ihre Mail richten Sie an admin@swisswetter.ch

Anmerkung vom 17.10.2003: Bis jetzt haben weder Frau Genner noch Herr Latif auf die Mails mit Hinweisen auf diesen Artikel reagiert. Offenbar sind ihnen die Argumente wirklich vollends ausgegangen. Herr Latif schreibt zudem offenbar neuerdings lieber Bücher, als sich online im Internet zu betätigen. Sein neuester Coup im Bereich der Sensations-Literatur, der demnächst erscheinen wird, bezieht sich auf die letztjährige Flut und den diesjährigen Hitzesommer. Die Frage stellt sich nur: was Latif in den nächsten 20 normalen Jahren machen wird...  :-)  

Anmerkung 31.10.2003: Die Theorie von Latif und manch anderen Wissenschaftlern ist aus der Luft gegriffen, da auf falschen Grundlagen aufbauend. Die Grünen verbreiten zudem zurechtgebogene Lügen, wenn sie behaupten, wir befänden uns in der wärmsten Periode und die Erwärmung sei menschengemacht. Mehr dazu hier >>  (Link aus www.wetteronline.de)



 

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